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01.06.2021

Warum man seine Kinder nicht auf Social Media posten sollte

Bilder von Kindern auf unseren Social-Media-Kanälen sind fest im 21. Jahrhundert angekommen. Das durchschnittliche Kind hat einen digitalen Fußabdruck, noch bevor der erste Milchzahn da ist. Manche Kinder haben sogar schon einen digitalen Fußabdruck, bevor sie überhaupt geboren sind – nämlich genau dann, wenn die Eltern ein Ultraschallfoto auf Instagram posten und es mit der ganzen Welt teilen. Natürlich ist die Geburt eines Kindes ein freudiges Ereignis, das man mit Freund:innen und der Familie teilen möchte. Einige Eltern teilen jedoch ein bisschen zu viel, auch bekannt als "Sharenting", und wie jede Nutzung (oder Überbeanspruchung) sozialer Medien birgt das einige Risiken.

Der Beginn des digitalen Fußabdrucks auf Social Media durch Sharenting

Die Gefahren, wenn man die Fotos der Kinder online stellt

Es gibt eine Reihe von Faktoren, über die man nachdenken muss, bevor man Bilder der Kinder online stellt. Im Umgang mit sozialen Medien und dem Veröffentlichen von Identitäten von Schutzbedürftigen sind mehrere wichtige Faktoren zu beachten, unter anderem:
Erstens: Soziale Medien sind allgegenwärtig. Man kann sie nicht ignorieren oder beiseiteschieben. Zweitens: Inhalte, die man einmal geteilt hat, sind mitunter nicht mehr zu löschen.

Mehrere "Likes" und "Shares" können ein Bild des Kindes um die halbe Welt schicken, zu Menschen, die man nicht einmal kennt. Dieser leichtsinnige Umgang und das Veröffentlichen von sensiblen Informationen/Daten von Schutzbedürftigen ist äußerst fahrlässig.

Eltern, die sensible Informationen wie den vollen Namen, das Geburtsdatum und den Geburtsort ihrer Kinder zusammen mit Fotos veröffentlichen, ermöglichen es Kriminellen die Identitäten von Kindern zu stehlen. Der ‘New Yorker’ berichtete über eine Studie, die davon ausgeht, dass bis 2030 fast zwei Drittel aller Fälle von Identitätsbetrug, von denen heutige Jugendliche betroffen sind, auf "Sharenting" zurückzuführen sein werden.

Online-Fotos des Kindes – Datenschutz und rechtliche Fragen

Babys können per Definition keine informierte Zustimmung zur Reproduktion eines Fotos geben. Dennoch sollte man sich über Fragen des Datenschutzes Gedanken machen, insbesondere wenn die Kinder älter werden. In einigen Rechtssystemen, wie z. B. in Deutschland und Frankreich, besitzen Kinder das Recht an ihren eigenen Bildern. Die Eltern werden nur als verwaltende Instanz, nicht als Eigentümer:in dieses Rechts anerkannt.

In den USA ist die Angelegenheit weniger klar, aber es gibt immer noch rechtliche Risiken beim Teilen von Bildern in sozialen Netzwerken. In einem extremen Fall wurden die auf dem YouTube-Kanal "DaddyOFive" geposteten Inhalte als Beweis für missbräuchliches Verhalten der Eltern verwendet und führten dazu, dass zwei der betroffenen Kinder in die Obhut des Sozialdienstes genommen wurden. Die Anwälte glaubten, dass die Eltern ihre Kinder missbrauchten, stellten aber auch fest, dass die Art und Weise, wie die Videos geteilt wurden, selbst eine Form des Missbrauchs war.

Sobald Kinder/Jugendliche alt genug sind, um soziale Medien zu verstehen, sollte man anfangen, sie um Erlaubnis zu bitten, Fotos online zu stellen – und solange das nicht möglich ist, sollte man uneingeschränkt die Privatsphäre von Schutzbedürftigen schützen. Doch ab welchem Alter dies der Fall ist, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Damit hilft man ihnen auch, die Konzepte der Online-Etikette kennenzulernen und zu verstehen – Stichwort: Medienkompetenz. Beziehen Sie Kinder und Jugendliche in Entscheidungen, welche Fotos veröffentlicht werden dürfen und wer das Foto sehen darf, ein. Dies ist eine gute Möglichkeit, sie mit der Funktionsweise sozialer Medien vertraut zu machen. Man hilft ihnen auch zu verstehen, dass das Veröffentlichen von Bildern im Internet mit Sicherheitsproblemen verbunden ist, lange bevor sie ihr eigenes TikTok-, Snapchat- oder Instagram-Konto bekommen.

Soziale Medien und Social Engineering

Je mehr Informationen Cyberkriminelle haben, desto größer sind die Chancen, jemanden erfolgreich zu betrügen. Social-Media-Plattformen wie Twitter, Clubhouse, TikTok und Instagram bieten Kriminellen das Futter, das sie für ihre Angriffe benötigen.

Wer also von Schutzbedürftigen mehr preisgibt als nötig, gibt Kriminellen mit diesen Posts und Status Updates mehr als genug Information, um ein erfolgreiches Verbrechen zu begehen.

Wie Mami-Blogger ihre Kinder für Werbezwecke nutzen

Wir alle kennen den Begriff "Mami-Blogger" oder "Mama-Blogger", und es ist für frischgebackene Eltern fast unmöglich, eine Internetsuche nach irgendetwas, das mit Baby zu tun hat, durchzuführen, ohne über die Website einer Mama-Bloggerin zu stolpern. In jedem Post – egal ob auf Instagram, Youtube, Facebook und Co. – diese Seiten werden regelrecht überschwemmt mit Kinder- und Babybildern.

Dabei werden die Kleinen nicht nur im Alltag gezeigt (zumal auch in kompromittierenden Situationen), sondern als richtige Werbetafel benutzt. Die Sponsor:innen erwarten regelmäßigen Content, der die Kinder mit den Produkten zeigt, wofür die Mami-Bloggerinnen bezahlt werden. Was offensichtlich als Kinderarbeit einzustufen ist, ist nicht strafbar und wird nur allzu oft als völlig normal angesehen, denn das Mami-Bloggen ist ein weitverbreitetes und sehr lukratives Geschäft.

Allein in Nordamerika gibt es inzwischen über 4 Millionen solcher Blogs, die täglich Bilder von ihrem Nachwuchs posten und damit teilweise Millionen verdienen. Im Durchschnitt werden mehr als 1000 Bilder von einem Kind gepostet, bevor es überhaupt das 13. Lebensjahr erreicht. Das dürfte bei Mami- Bloggerinnen eine deutlich höhere Zahl sein.

Social Media und Cybermobbing

Man sollte sich auch Gedanken darüber machen, wie andere auf die Dinge reagieren könnten, die man über sein Kind in den sozialen Medien teilt. Unabhängig davon, ob sich das Kind um alte Fotos und Geschichten von sich im Internet kümmert, können andere diese Informationen nutzen, um sich über das Kind lustig zu machen, es zu beleidigen und sogar zu schikanieren, wenn es älter wird. Was soll Gleichaltrige, Arbeitskolleg:innen oder Mitschüler:innen davon abhalten, ein Foto, das das Kind peinlich findet, in deren eigenen Netzwerken zu teilen? Was ist, wenn diese Weitergabe auch anderen auffällt und diese es noch einmal teilen? Es braucht nicht viel, um ein Foto von einem Familienwitz zum Klatsch und Tratsch für eine ganze Schule zu machen.

Das Potenzial für Mobbing hört nicht bei Menschen auf, die Sie kennen. Um ein Gefühl für die rücksichtslosen Persönlichkeiten anonymer Menschen im Internet zu bekommen, sollte man einfach einen Blick auf die Kommentare von Kindervideos auf YouTube werfen. Was wird der Nachwuchs denken und fühlen, wenn es sieht, dass Fremde Menschen im Internet schlecht über einen reden oder gehässige Kommentare hinterlassen?

Digitales kidnapping wird Cyberkriminellen einfach gemacht durch geteilte sensible Informationen auf Social Media

Digitales Kidnapping

Das digitale Kidnapping ist eine Form des Identitätsdiebstahls. Man spricht davon, wenn Fotos von Schutzbedürftigen aus sozialen Medien mit neuem Namen und Identitäten umgestaltet werden. Das Schlimme daran: das Kind wird hierbei oft als das eigene ausgegeben. In den letzten Jahren gab es zahlreiche Beispiele dafür, darunter ein Vorfall aus dem Jahr 2015, bei dem ein Fremder das Foto eines 18 Monate alten Jungen von der Facebook-Seite einer Mama-Bloggerin nahm und es auf seinem eigenen Facebook-Profil postete und so tat, als sei er sein Sohn.

Die Fotos eines Kindes können auch für Baby-Rollenspiele entführt werden. Baby-Rollenspieler :innen erstellen Konten auf Social-Media-Websites, um gestohlene Fotos zusammen mit Bildunterschriften zu veröffentlichen, die falsche Details über das Kind auf den Fotos enthalten. Manchmal gibt sich die fremde Person auch als das Kind selbst aus, beantwortet Kommentare oder kommentiert. Konten für Baby-Rollenspiele werden von Personen erstellt, die anscheinend ein Elternteil oder ein Kind sein wollen – Vermutungen zufolge. Sie sind jedoch ein weiteres Beispiel dafür, wie leicht man als Elternteil die Kontrolle über den Schutz der Identität des eigenen Kindes verlieren kann, wenn man Informationen darüber online veröffentlicht und für alle zugänglich macht.

Das Internet vergisst nicht

Es ist schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, Informationen zu kontrollieren, sobald sie online veröffentlicht wurden. Man kann niemanden daran hindern, einen Screenshot eines Posts/Beitrags zu erstellen und diesen außerhalb der eigenen Reichweite zu verbreiten. Auch die gelöschten Beiträge sind zwar scheinbar aus dem Social-Media-Profil verschwunden, leben aber möglicherweise noch in Internet-Archiv-Websites und auf Servern und Festplatten weiter. In diesem Sinne sollte man bedenken, wie die Fotos und Geschichten auf das Kind wirken können, wenn es viel älter oder sogar erwachsen ist.

Eltern müssen darüber nachdenken, wie später potenzielle arbeitgebende Unternehmen reagieren könnten, wenn sie bestimmte sensible Momente aus der Kindheit in den sozialen Medien finden. Kurz nach dem Aufwachen, während des Schlafens, vielleicht sogar auf dem Töpfchen. Man sollte sich fragen, wie sich die Posts auf das Kind auswirken könnten, wenn es sich jemals dazu entscheidet, für ein öffentliches Amt zu kandidieren – und ob man sich selbst so zeigen wollen würde?!

Warum man seine Kinder im Internet nicht zeigen sollte – letzte Gedanken

Die meisten von uns nutzen soziale Medien im Alltag, ohne groß darüber nachzudenken. Wir sehen etwas, machen ein Foto, drücken auf den Knopf, und das war's. Der Beitrag ist in diesem Moment für alle unsere Freund:innen verfügbar.

Wenn es sich jedoch um Schutzbedürftige handelt, sollte man sich ein wenig mehr Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, was man tut. Ist die Privatsphäre des Kindes geschützt? Wer sieht sich die Bilder an? Ist dies ein Foto, das schädlich sein könnte, wenn es in 20 Jahren bei einer Online-Suche auftaucht? Würden Sie so ein Foto von sich veröffentlichen?

Man sollte daran denken, dass es letztendlich die digitalen Fußabdrücke der Kinder sind. In einer zunehmend vernetzten Welt ist das eine wichtige Verantwortung für Eltern.

Social-Media-Seiten wie Instagram, Facebook, Twitter usw. machen es sehr verlockend, Bilder der süßen Kleinen für Freund:innen, Familie und mehrere tausend andere Personen zu teilen. Sicher, es gibt Privatsphäre-Einstellungen, aber seien Sie gewiss – diese schützen die Bilder Ihrer Kinder nicht vollständig.

Wenn ein Bild einmal gepostet wurde, kann nicht mehr kontrolliert werden, welche Personen, von denen, die es gesehen haben, teilen, retweeten, versenden, speichern und sogar drucken.

Autorin: Carolin Andree