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02. März 2020

Wie können digitale Lernprozesse interaktiv gestaltet werden?

In Zeiten von Corona, in denen Homeschooling, Online-Vorlesungen und E-Learning-Angebote in aller Munde sind, ist es wichtig zu wissen, wie die Mittel richtig eingesetzt werden. Für jede Person verändern sich die äußeren Umstände und die gesamte Lernatmosphäre.

Da kann das Unterrichts-, Vorlesungs- oder Web-Seminar-Thema noch so spannend sein – die Schwierigkeit der Lehrenden besteht darin, die Aufmerksamkeit bei den Lernenden aufrechtzuerhalten. Die einfachste Lösung ist die Interaktion mit den Lernenden. Doch wie können Interaktionen in digitale Lernprozesse integriert werden?

Digitale Lernprozesse interaktiv gestalten

Der Erfolg von Interaktionen ist davon abhängig, ob die Interaktivität die Grundfunktion des Lehrens unterstützt. Es ist also egal, welche digitale Lernmedien genutzt werden, der eigentliche Lernprozess muss zunächst verstanden werden.

Was sind die Grundfunktionen des Lehrens?

Zu den Grundfunktionen gehören das Informieren, Motivieren, die Förderung von Verstehen, Behalten, Abrufen und Anwenden von Wissen sowie die Organisation des Lernprozesses. Wird keine dieser Funktionen unterstützt, kann die Interaktion sogar als kontraproduktiv angesehen werden. Auf keinen Fall darf durch Interaktionen der Selbstwert oder auch die Selbsteinschätzung des Lernenden verletzt werden. So ist es zum Beispiel nicht sinnvoll in Online-Vorlesungen die allgemeine Frage am Ende zu stellen: „Hat noch jemand Fragen?“. Eine solche Frage wird selten beantwortet. Die Angst, als einzige Person etwas nicht verstanden zu haben, ist lähmend.

Welche Interaktionsmöglichkeiten gibt es?

Die gängigste Form der Interaktion ist womöglich das Bearbeiten von Aufgaben. Hierbei sollten jedoch anschaulich dargestellte Aufgaben gewählt werden, die nicht nur daraus bestehen sollen, Objekte oder Antwortmöglichkeiten anzuklicken bzw. verschieben zu können. Einfache Multiple-Choice- oder Drag-and-drop-Aufgaben können beispielsweise durch Mindmaps ersetzt bzw. ergänzt werden. Eine weitere Möglichkeit sind Lückentexte, bei denen die Lösungswörter nicht vorgegeben sind.

Der Lernerfolg wird auch unterstützt, wenn die Lerninhalte und die Reihenfolge der Bearbeitung selbst gewählt werden können. Es ist außerdem reizvoll, wenn die lernende Person selbst Handlungsentscheidungen treffen kann. Das bedeutet, dass sie mitbestimmen kann, wie beispielsweise ein Lernvideo weiterverlaufen soll. Vergleichbar ist dies mit den interaktiven Filmen des Streaminganbieters Netflix, bei denen der weitere Filmverlauf mitbestimmt werden kann.

Auch der Zeitpunkt des Lernens spielt eine Rolle. Wenn Ihr Kind beispielsweise ein Morgenmuffel ist und abends produktiver lernen kann, dann legen Sie dort feste Zeiten fest. So haben Sie einen ruhigen Start in den Tag und können sich auf Ihre Arbeit konzentrieren und es werden in der aktuellen Homeschooling- bzw. Home-Office-Situation unnötige Konfliktsituationen vermieden.

Online-Vorlesungen als digitales Lernmedium

Viele Dozierende sind gezwungen, ihre Vorlesungen oder Seminare nun über eine Kamera abzuhalten. Doch dabei stoßen nicht nur sie selbst vor große Herausforderungen. Auch für die Studierenden ist es eine andere Lernsituation, da wahrscheinlich vor allem das Ablenkungspotential in den eigenen vier Wänden viel größer ist. Doch gibt es einige Tipps, um zumindest das Beste aus der Situation zu machen. Im Folgenden möchte ich auf die Visualisierung, die Rolle der Dozierenden und die Aktivierungsmöglichkeiten eingehen.

Die Basics für Online-Vorlesungen oder Web-Seminare beachten

Erst einmal müssen zunächst die Basics stimmen: Struktur und Transparenz. Genau wie im herkömmlichen Hörsaal oder bei anderen Vorträgen muss die Zuhörerschaft zu Beginn der Vorlesung auf Inhalte und den zeitlichen Rahmen hingewiesen werden. Auf die visualisierte Gliederung sollte außerdem im Laufe der Präsentation immer wieder verwiesen werden, wenn beispielsweise ein Thema abgeschlossen wurde.

Bei der Visualisierung ist zu beachten: nur gut gestaltete Folien wirken lern- und aufmerksamkeitsfördernd.

Das beinhaltet:

  • hervorgehobene Überschrift
  • begrenzte Informationen
  • präzise und knappe Formulierungen
  • Einhalten der Struktur
  • große Schrift

Außerdem kann auch hier der Spruch „weniger ist manchmal mehr“ angewandt werden. Verwenden Sie also nicht zu viele Folien. Teilen Sie beispielsweise Ihr Skript auf die einzelnen Termine auf. So vermeiden Sie eine inflationäre Wirkung, die schnell demotivierend wirken kann.

Die dozierende bzw. vortragende Person selbst muss sich darüber bewusst sein, dass die Zuhörerschaft die eigene Motivation spüren kann. Seien Sie authentisch, sprechen Sie frei und arbeiten Sie auch hinter dem Bildschirm mit Ihrer Stimme. Verwenden Sie viele Beispiele und blicken Sie auch im virtuellen Hörsaal in unterschiedliche Richtungen der Studierenden. Bei kleineren Gruppen ist es natürlich auch möglich die Studierenden per Namen anzusprechen. Eine Direktansprache können Sie jedoch auch verallgemeinern, indem Sie sagen: „Stellen Sie sich Folgendes vor“. So werden die Studierenden trotzdem persönlich angesprochen und versetzen sich gedanklich in Ihre geschilderte Situation.

Auch bei Online-Vorlesungen gibt es verschiedene Aktivierungs- bzw. Interaktionsmöglichkeiten. Viele Plattformen haben dafür auch verschiedene Tools implementiert. So können Sie zum Beispiel zu Abstimmungen auffordern. Die Studierenden wechseln dadurch die Rolle der Zuhörerschaft in die Rolle der handelnden Personen. Am Ende Ihrer Vorlesung können Sie auch die Zwei-Minuten-Fragen nutzen: Was haben Sie heute gelernt? Was haben Sie nicht verstanden?

Interaktion zwei Minuten Fragen

Diese Fragen können auch in vielen Plattformen anonym online beantwortet werden. Manche Plattformen bieten an dieser Stelle auch verschiedene Auswertungsmöglichkeiten an. Die Dozierenden haben so direktes Feedback, was sie in ihrer nächsten Vorlesung beachten können. Auch Übungsblätter können online zur Verfügung gestellt werden. Natürlich obliegt es hierbei bei den Studierenden, ob sie die Aufgaben eigenständig lösen, aber das ist auch im „normalen Studium“ der Fall.

An dieser Stelle ist noch zu erwähnen, dass die Scheu der Schüler:innen oder Studierenden, sich hinter den Bildschirmen aktiv an der Vorlesung oder dem Unterricht zu beteiligen, größer ist als im Präsenzunterricht. Auch wenn online eigentlich vieles anonymer ist, muss dies beachtet werden.

Autorin: Isabelle Mock