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30. April 2020

Home-Office – eine gute Idee auch ohne Rechtsanspruch

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Das dachte sich unser Arbeitsminister Hubertus Heil. Während die globale Corona-Krise kräftig an unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung rüttelt, überlegt er ein Recht auf Home-Office gesetzlich zu verankern. Statt dem gewünschten Anklang findet diese Idee aber bei vielen Unternehmer/innen wenig Zuspruch, sie wollen schlussendlich keine weiteren Vorgaben.

Die Möglichkeit im Home-Office zu arbeiten ist für mich essenziell. Auch nach der derzeitigen Corona-Krise. In unserem Unternehmen kann und will ich meinem Team die Freiheit und den Mehrwert geben, aus dem heimischen Arbeitsplatz heraus zu arbeiten – denn effektive, produktive und erfolgreiche Arbeit funktioniert wunderbar auch von zu Hause. Leider beordern viel zu viele Unternehmen, auch während der Pandemie, ihre Angestellten für Büroarbeiten, welche sich digital erledigen lassen, an den Arbeitsplatz im Büro. Vielleicht auch aus Angst vor dem Kontrollverlust.   
 

Für mich steht fest: Wer seinem Team nicht vertraut, auch produktiv im Home-Office zu arbeiten, hat schon beim Recruiting-Prozess etwas falsch gemacht. Denn neben den fachlichen Kenntnissen achten wir bei IYS auch auf das richtige Mindset einer Person.

Ich arbeite an einem neuen Gesetz für ein Recht auf Homeoffice, das ich bis Herbst vorlegen werde. Jeder, der möchte und bei dem es der Arbeitsplatz zulässt, soll im Homeoffice arbeiten können - auch wenn die Corona-Pandemie wieder vorbei ist.¹

Hubertus Heil

Was möchte Heil jedoch mit diesem Gesetz bewirken? Ich glaube, dass er Unternehmer/innen davor schützen will, wieder in alte Gewohnheiten zu verfallen. Denn wenn uns Corona eins gelehrt hat, dann das gute Arbeit auch im Home-Office möglich ist. Heils Ansatz halte ich aber als Führungskraft für ganz und gar nicht richtig. Denn Unternehmer/innen sollten auch abseits von Corona die Entscheidungsfreiheit haben zu entscheiden, wie sie ihr Unternehmen aufbauen wollen. Ich denke, dass auch ohne ein konkretes Gesetz jedes Unternehmen seinem Team die Wahl des Arbeitsortes überlassen sollte, sofern dies möglich ist. Denn für mich zählt einzig und allein das Arbeitsergebnis. Auch an unserer Führungsspitze herrschte Diskussionsbedarf zur heimischen Arbeit. Warum man aber genau dies fördern sollte, verrate ich Ihnen gerne. 

Der große Vorteil von Flexibilität
Auch ich habe Tage, an denen die Nachteule in mir durchkommt. Und wissen Sie was? Ich arbeite deutlich effizienter, wenn ich dem Ruf meines persönlichen Biorhythmus folgen kann. Diese Flexibilität ist ein großer Vorteil, der nicht nur mir vorbehalten bleiben soll. Und die Erfahrungen in unserem Team geben mir Recht, denn sehr oft liefern unsere Teammitglieder Arbeitsergebnisse schneller, wenn sie selbst entscheiden können, wann sie in ihren Arbeitstag starten wollen.

Endlich stille Konzentrationsphasen
Allein während ich diesen Blog schreibe, scheint das Tippen und Klicken der Tastatur und Maus meines Kollegen immer lauter zu werden. Schon wieder ein Business-Call? Wenn ich mir vorstelle, wie unsere Juristin konzentriert ihrer Arbeit nachgehen soll, vor allem in Phasen, in denen sie sich stark fokussieren muss, läuft es mir, während der Kugelschreiber des Gegenübers gefühlt zum hundertsten Mal klickt, kalt den Rücken hinunter. Jedes einzelne Mitglied unserer Firma möchte herausragende Leistungen erzielen, und genau dafür sollten Sie in Ihrem Unternehmen Raum schaffen.

Kostbare Lebenszeit
Die Parkplatzsuche, die Anfahrt aus dem 30 km entfernten Wohnort, die Rushhour oder die Verspätung der öffentlichen Verkehrsmittel entfällt. Das reduziert nicht nur Stress. Es schenkt einem mehr Zeit für persönliche Vorlieben und Hobbys. Die Arbeit im Home-Office bietet eine gute Grundlage zur Stressreduktion.

Verbesserung der Work-Life-Balance
Die Arbeit von Zuhause kann auch die eigene Familie stärken. Ich selbst habe keine Kinder. Doch wenn ich unserem Familienvater im Unternehmen zuhöre, wie er vom Mittagsspaziergang mit seiner Tochter erzählt, bin ich froh, dass unsere Angestellten wichtige Zeit mit ihrer Familie in die Arbeitszeit integrieren können. Darunter leidet nicht das Arbeitsergebnis, und wir als Unternehmen tragen dazu bei, dass unsere Mitarbeitenden glücklich sind. 

Gerade in einem Start-up sind wir darauf angewiesen, dass wir als Team sehr gute Arbeitsergebnisse in der dafür vorhergesehenen Deadline liefern. Wir möchten, dass unseren Mitarbeitenden sich als Individuum wahrgenommen fühlen. Dafür ist es wichtig, auf ihre Wünsche und Bedürfnisse einzugehen. Ich bin stolz auf unser Team und bin mit allen gerne zusammen im Büro. Deswegen freue ich mich, wenn sich unser Team im Büro wohlfühlt und gerne hierherkommt. Ich glaube, dass es wichtig für jedes Unternehmen ist, individuelle Lösungen zu schaffen, damit sich alle Mitarbeitenden wohlfühlen. Dennoch: Unternehmen werden in aller Regel gegründet, weil Gründer/innen ihre eigenen Ideen verwirklichen wollen und eine eigene Unternehmenskultur schaffen möchten. Dies sollte nicht durch ein solch restriktives Gesetz vorgegeben werden. Unternehmen, welche sich gegen Home-Office versperren, machen meiner Meinung nach einen Fehler und haben dadurch schon genug Nachteile. 

Dieser Blogartikel ist ein Beitrag zur stattfindenden Diskussion über das Recht auf Home-Office. Die Autorin bringt ihre eigene Meinung zum Ausdruck und nicht die des (gesamten) Unternehmens. 

¹Recht auf Homeoffice für alle! in: Bild, [online] https://www.bild.de/bild-plus/politik/inland/politik-inland/spd-politiker-heil-und-scholz-im-interview-recht-auf-homeoffice-fuer-alle-70271978/ [28.04.2020].

Autorin: Carolin Andree