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17. April 2020

Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele?

Kennen Sie den Film ‘Identity‘ mit John Cusack? Darin hat der Hauptdarsteller ganze 10 Identitäten. Ganz ehrlich, wir sind ja schon froh, wenn wir nur eine besitzen. Wird diese uns aber auch noch genommen, so hört der Spaß dann endgültig auf. Immer wieder hört man von sogenannten Identitätsdiebstählen. Mit dem Namen und Geburtsdatum einer anderen Person kann man für diese ganz leicht online Bestellungen aufgeben und sie somit in teils existenzielle Schwierigkeiten bringen. Diese Daten bekommt bei Ihnen niemand herraus? Dann herzlichen Glückwunsch! Wirft man allerdings einen Blick ins World Wide Web, so sind personenbezogene Daten wie Name, Telefonnummer, Geburtsdatum oder gar Anschrift – oder eben auch nur die E-Mail-Adresse – zuhauf zu finden. Und wenn Sie jetzt sagen, dass Sie doch nur ein kleiner Fisch seien und bei Ihnen sowieso nicht viel zu holen wäre, dann stellen Sie sich doch einmal vor, jemand kommt an Ihr Instagram-Passwort und hat somit vollen Zugriff auf Ihren Account. Sicher kann man Bilder wieder entfernen lassen – wobei man bedenken sollte, dass das Internet bekanntlich nie vergisst – und sicher können Sie im Nachhinein beteuern, dass Sie dieses pornografische Bild oder die politisch unkorrekte Aussage nicht gepostet haben, doch was wird Ihr Chef eines Millionenkonzerns dazu sagen? Wie Sie sehen, kann Identitätsdiebstahl sehr schnell zu sehr großen Problemen führen. Nichts Neues, sagen Sie? Stimmt. Allerdings erlangt diese Art von Betrug in Zeiten von Corona eine ganz neue Dimension.

IT-Security

Mal wieder Oma und Opa anrufen
Der Enkeltrick ist wohl den meisten bekannt. Ältere Menschen werden von angeblichen Verwandten angerufen und um Geld gebeten. In Zeiten von Corona wird hier lediglich der Aspekt der Krankheit hinzugenommen. Der angebliche Enkel sagt, er sei infiziert und bräuchte für die Behandlungskosten Geld. Da er ja selbst nicht außer Haus darf, würde ein Freund – den Oma und Opa natürlich nicht kennen – das Geld abholen. Simpel, aber mitunter effektiv.

Der Arzt und die Angst
Corona macht vielen Menschen Angst – Angst vor dem Ungewissen. Aus diesem Grund nutzen Betrüger/innen diese Angst und geben sich als Ärzte aus, die einen – natürlich kostenpflichtigen – Coronatest anbieten. Mitunter kommen diese Menschen sogar zu Ihnen nach Hause, um – während einer Sie ablenkt und der andere Ihre Wohnung durchsucht – Geld und Wertgegenstände zu erbeuten.

Grundreinigung mal anders
Natürlich können nicht nur angebliche Ärzte zu Ihnen nach Hause kommen, sondern auch angebliche Mitarbeiter des Gesundheitsamtes. Diese kommen mit dem Vorwand, bei Ihnen zu Hause würde sich das Coronavirus ausbreiten, weshalb Ihre gesamte Wohnung einmal gereinigt werden müsste. Nach dieser „Reinigung“ sind dann Ihre Wertgegenstände wie Schmuck, Bargeld, PC und so weiter sauber aus Ihrer Wohnung entfernt worden.

Gefährliche Shoppingtouren
Doch Abzocke funktioniert auch ohne persönlichen Kontakt. So gibt es vermehrt angebliche Online-Shops, die Desinfektionsmittel, Schutzmasken oder gar Heilmittel gegen Corona anbieten. Einziges Problem: diese Dinge gibt es – zumindest in diesem Shop – gar nicht. Sie erkennen dies meist daran, wenn Sie aufgefordert werden, per Vorkasse zu bezahlen. Bezahlen Sie, so ist Ihr Geld weg und die Ware werden Sie niemals sehen.

Achtung: Fischer in Sicht!
Eine der weitverbreitesten Methoden sind sogenannte Phishing-Mails. Gerade in Zeiten von Home-Office kann es sein, dass Sie von Ihrer Bank eine E-Mail bekommen, in der Ihnen mitgeteilt wird, dass die Filiale vorübergehend geschlossen sei. Sie sollen aber auf den beigefügten Link klicken, um Ihre Daten zu überprüfen, damit Ihr Banking auch weiterhin einwandfrei funktioniere. Auch die WHO warnt vor solchen Mails. So bekommt man hier eine angebliche Mail der WHO mit den neuesten Informationen zur Pandemie. Man solle auf den Link klicken und anschließend seine Daten eingeben. Tun Sie dies, so sind Ihre persönlichen Daten in schlechten Händen.

Tipps gegen Abzocke
Was also tun, um sich in diesen schwierigen Zeiten nicht nur vor dem Virus, sondern auch vor denen zu schützen, die diese Situation ausnutzen? Hier finden Sie eine kleine Checkliste, die zumindest erste Hilfestellungen für einen Schutz gegen Identitätsdiebstahl bieten können:

  • Persönlichen Daten
    Geben Sie keine Auskunft über persönliche Daten, wenn etwa der angebliche Enkel noch einmal nach der genauen Adresse fragt oder die Bank sich über Ihren aktuellen Kontostand informiert!
     
  • Geld
    Geben Sie niemals (vor allem Bar-)Geld an unbekannte Personen! Fragen Sie bei Behörden oder Familie nach, ob dabei alles seine Richtigkeit hat! Gehen Sie niemals in Vorkasse, wenn Sie sich des Kaufes unsicher sind
     
  • Auflegen
    Beenden Sie Gespräche am Telefon, die Ihnen seltsam vorkommen! Wenn etwa der angebliche Enkel oder das Gesundheitsamt nach Dingen fragt, die in Ihnen ein mulmiges Bauchgefühl erzeugen, dann legen Sie einfach auf!
     
  • Links
    Klicken Sie auf keine Ihnen unbekannten Links und geben Sie infolgedessen keine Daten von sich preis!
     
  • Polizei
    Informieren Sie gegebenenfalls die Polizei!


Unsere Empfehlungen in diesem Blogbeitrag erfolgen nach ersten eigenen Erfahrungen im Umgang mit Home-Office und in Zeiten von Corona. Wir teilen unsere Erfahrungen sehr gerne mit Ihnen. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit;  insbesondere sind arbeitsrechtliche Fragen in diesem Bereich noch nicht geklärt.